Wusstest Du eigentlich, dass Teilzeit-Selbständigkeit über 10 Jahre meine Berufung war? Hätte man mich vor 20 Jahren gefragt, ob ich plane, mich irgendwann selbständig zu machen, wäre die Antwort ein klares Nein gewesen. Damals hätte ich nicht einmal ein nebenberufliches Business in Betracht gezogen. Aber wie es oft ist, sag niemals nie! ?

Meine Jugend war geprägt durch meine Großmutter, die während des 2. Weltkrieges als alleinerziehende Unternehmerin ein Süßwarengeschäft hatte. Als Glaubenssätze wurden mir Dinge implementiert wie

  • Selbständigkeit ist unsicher
  • laufend bekommt man Knüppel zwischen die Beine geworfen
  • man muss hart arbeiten, um überhaupt überleben zu können
  • gegen „die Großen“ hat man keine Chance uvm.

Trotzdem gründete ich irgendwann mein nebenberufliches Business. Da konnte mir ja nichts passieren, ich hatte ja noch mein Sicherheitsnetz der Festanstellung. Ich liebte diese Art zu arbeiten, denn so konnte ich alle meine Neigungen leben. Angestellt bewegte ich mich in der Welt der Zahlen und liebte es. Während ich mich selbständig vorwiegend mit alternativen Heilmethoden, psychologischer Beratung und unter anderem als Buchautorin, meiner Leidenschaft der Wissensweitergabe widmete. Dieser Teil meiner Arbeit machte mir mindestens genau so viel Spaß.

Aber erst mal genug von mir, ich schreibe diesen Artikel im Rahmen meiner Blogparade „Teilzeit-Selbständigkeit: Trend der Zukunft?“ und ich behaupte „Die Zukunft ist schon da!“ und möchte hier ein paar – wie ich denke – interessante Fragen beleuchten. 

Fangen mir mal mit den Gründungsgründen an:

1, Warum entscheiden sich Menschen zur Teilzeit-Selbständigkeit?

Wie bei vielem sehe ich Amerika als Vorreiter für mehrere Jobs bzw. nebenberufliche Selbständigkeit. Dort ist es schon seit Jahren völlig normal, dass man mehr als einen Job hat und seine Nahrungsergänzung beim Nachbarn bestellt.

Heutzutage kann man in fast allen Bereichen ein nebenberufliches Business ausüben. Sei es im Direktvertrieb (Haushaltsprodukte oder -geräte, Wellnessprodukte und Nahrungsergänzungen) oder auch im Dienstleistungssektor (Beratungs- oder Coaching-Angebote von Stressbewältigung über Gründungsberatung bis zur Finanzberatung). In den letzten Jahren sind mir ein paar Interessante Gründe, die die Menschen zum Unternehmer-Sein bewegen, aufgefallen.

1,1. Das Hobby zum Beruf machen

Eine sicherlich interessante Variante sich nebenbei etwas dazu zu verdienen ist, das Hobby zum Beruf zu machen. Zum Beispiel kann man die eigene Begeisterung fürs Handarbeiten mit Garn und Wolle in Strickrunden und einem eigenen Onlineshop umsetzen. Auch im Kreativbereich mit Papier gibt es echt coole Geschichten. So habe ich bereits ein monatliches Abo fürs Basteln und Onlineanleitungen diesbezüglich entdeckt. Es ist aber auch möglich den oder die Designer/in in sich auszuleben. Erst letztens habe ich einen Zeitungsbericht über eine Frau gelesen, die sich mit dem Design und der Fertigung von Taschen etwas aufgebaut hat. Eine andere entwirft Schmuck und gibt Kurse zur eigenen Gestaltung und Fertigung. Es ist echt toll, dass es scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten gibt.

1.2. Veränderung während der Elternkarenz

Ein nicht zu unterschätzender Grund für die Entscheidung zu einem Teilzeit-Business ist meines Erachtens die Elternkarenz. Oft wissen Frauen bei Familiengründung bereits, dass es in ihrem bisherigen Beruf schwierig wird Teilzeit zu arbeiten. Möglicherweise sind auch die Arbeitszeiten nicht familientauglich oder es gibt sogar Schichtdienste.

Da ist natürlich der Wunsch nach Flexibilität groß und ich begegne immer mehr Müttern, die bereits während der Karenzzeit beginnen, ihren Plan B umzusetzen. Sie fangen dann an, sich nebenbei etwas aufzubauen und einige schaffen es dadurch sogar am Ende gar nicht mehr in ihren bisherigen Beruf zurückzukehren. Einen wundervollen Artikel hierzu, dass es sogar als alleinerziehende Mutter möglich ist, eine erfolgreiche nebenberufliche Selbständigkeit während der Karenz aufzubauen, hat z.B. Anna Koschinski im Rahmen meiner Blogparade eingereicht.

1.3. Der Wunsch nach zusätzlichem Einkommen

Wer hat nicht Träume, wie einen schönen Famlienurlaub oder auch den Wunsch besondere soziale Projekte zu unterstützen. Ich denke die Möglichkeit zusätzliches Einkommen zu generieren ist wohl einer der häufigsten Gründe, neben dem Job noch ein eigenes Business zu betreiben. Wenn man dann damit auch noch Menschen – in welcher Form auch immer – unterstützen kann, ist dies sicherlich eine erfüllende Win-Win-Situation.

1.4. Das Bedürfnis nach Sicherheit

Sicherheit und Selbständigkeit? Ja, Du hast richtig gelesen. Seit dem Frühjahr 2020 gab es hier definitiv eine Änderung in der Denkweise der Menschen. Es ist mehr und mehr bewusst geworden, dass selbst eine Festanstellung heutzutage nicht mehr in Stein gemeißelt ist. So habe ich bemerkt, dass Menschen sich genau aus diesem Grund ein zweites Standbein zulegen, um ihrem Dienstgeber nicht „total ausgeliefert“ zu sein. Spannende Entwicklung – nicht wahr?

2. Was sind die am häufigsten genannten Gründe für (nebenberufliche) Selbständigkeit?

Hast Du Dich schon mal gefragt, was Unternehmer antworten auf die Frage „Warum haben Sie sich selbständig gemacht?“ Ungeschlagen auf Platz eins steht hier

2.1. Freiheit und Unabhängigkeit

Das Freiheitsbedürfnis des Menschen ist groß, viele wünschen sich vor allem zeitliche bzw. örtliche Unabhängigkeit. Dass das zu Beginn meist etwas anders aussieht und man weniger Freiheit hat, sollte dabei allerdings auch nicht vergessen werden! ?

2.2. Der eigene Chef sein

… ist definitiv einer der Gründe der als nächster folgt. Ich denke hier allerdings, dass dieses „Be your own boss!“ ein wenig vergloreicht wird. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, kein Vorteil ohne Nachteil. Schnell wird hierbei vergessen, dass man dann auch für alles zuständig ist. Vor allem auch für unliebsame Tätigkeiten, wie Vertrieb und Kundenakquisition. Auch ist es ehrlich gesagt schon ganz fein, wenn eine Entscheidung ansteht oder es ein Problem gibt, zu seinem Chef gehen zu können und zu sagen „Was machen wir denn jetzt?“ ?

2.3. Häufige weitere Gründe

sind

  • sich selbst verwirklichen,
  • das Bedürfnis nach Anerkennung,
  • der Wunsch andere zu unterstützen und
  • die Welt ein Stück weit besser zu machen etc.

Ich finde übrigens sehr wichtig, den Grund zu wissen, warum man sich für eine (nebenberufliche) Selbständigkeit entschieden hat. Denn dieses Warum ist definitiv ein starker Motivator, viel stärker als Geld!

3. Action-Break: Wie war das bei mir?

Wie bereits erwähnt, wollte ich mich eigentlich nie selbständig machen. Bis zum Jahreswechsel 2003/2004 war ich in der Banken- und Finanzbranche am Karrieretrip. Entweder höhere Position oder mehr Geld waren meine Gründe die Firma zu wechseln und ich hatte teils echt immens verantwortungsvolle Positionen inne.

In Wirklichkeit bin ich der Anerkennung meines Vaters nachgehechelt, bis es zu besagtem Jahreswechsel ein paar echt schmerzliche Verluste in meiner Familie gab. So begann ich mein Wertesystem zu überdenken. War das das Leben, das ich wollte? Zwei Seelen schlugen in meiner Brust, sodass ich Mitte 2004 meine 5-semestrige Ausbildung zzgl. 750 Praxisstunden zur Diplomlebensberaterin begann. Damals war mir auch nicht bewusst, dass es mit dieser Ausbildung keine wirkliche Anstellung gab. Erst einmal wollte ich diese für mich machen.

Nach meinem Diplom 2007 war klar, dass ich Menschen unterstützen wollte und so startete ich meine nebenberufliche Selbständigkeit mit einer Kombination aus Energiearbeit & Körperarbeit Bachblüten und ätherischen Ölen sowie psychologischer Beratung. Oh Mann, ich litt früher unter einem kräftigen Helfersyndrom - was habe ich mitgelitten. Kennst Du das? Glücklicherweise habe ich im Laufe der Zeit zwei wichtige Dinge gelernt:

  • Man kann nur Menschen helfen, die wirklich den Wunsch nach Veränderung haben.
  • Inzwischen leide ich nicht mehr mit, sondern fühle mit. Ich garantiere Dir, das ist gesünder!

Aber wieder zurück.

4. Warum geben viele die Teilzeit-Selbständigkeit wieder auf?

4.1. Die rosarote Brille

Jetzt mache ich mir sicher keine Freunde, aber ich habe es zu oft erlebt: Teilzeit-Selbständigkeit wird leider sehr oft durch eine rosarote Brille gesehen. „Ach, so ein bisschen der eigene Chef sein!“ „Cool, so nebenbei etwas dazu verdienen“ Aber so ist es nicht.

Viele informieren sich im Vorfeld einfach zu wenig. Ein bisschen Unternehmer sein ist in etwa so wie ein bisschen schwanger sein. ?

Leider stellen viele es sich zu einfach vor. Wie in einem Film vom amerikanischen Traum vom Tellerwäscher zum Millionär. Unterstützt wird dies oft auch von Mythen gewisser Branchen wie z.B. Direktvertrieb und Netzwerkmarketing. Schnell mal anmelden, eine Party bei der Nachbarin schmeißen oder die Arbeitskollegin als Partnerin einschreiben und schon rollt der Rubel. Glücklicherweise gibt es nicht nur schwarze Schafe und es wird auch immer verantwortungsvoller aufgeklärt. Das muss man fairerweise auch sagen. Achja und ich weiß, wovon ich spreche, denn auch wenn es nur eine Nebentätigkeit ist, so habe ich mich selbst vor 15 Jahren in ein Produkt verliebt und habe ein kleines Netzwerkmarketing Team.

4.2. Zu wenig Lern- und Veränderungsbereitschaft

Etwas Neues machen wollen, aber eigentlich soll sich nichts verändern? Das ist ein Widerspruch in sich. Selbständigkeit ist das absolut beste Training im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung! Laufend ändert sich etwas und man darf Entscheidungen treffen. Anpassung an veränderte Gegebenheiten, vorausschauendes, unternehmerisches Denken, kaufmännisches Verständnis und verschiedene Sichtweisen gehören zum Alltag im (nebenberuflichen) Business einfach dazu.

Wer bereit ist zu lernen und zu wachsen, der hat die besten Chancen mit seiner Tätigkeit erfolgreich zu werden! Und ich verrate Dir etwas: ES MACHT SPASS! Das Gefühl etwas umgesetzt zu haben, das man sich vorher nicht zugetraut hat bzw. die eigene Verbesserung zu sehen und wie man an neuen Herausforderungen z.B. innerhalb eines Jahres gewachsen ist, ist einfach GRENZGENIAL SCHÖN!

4.3. Zu wenig Durchhaltevermögen bzw. keine Investitionsbereitschaft

Während man bei einem Lehrberuf eine Lehrzeit von 3 Jahren als etwas ganz Selbstverständliches sieht, so besteht leider bei Selbständigkeit oft das Wunschdenken, dass man in wenigen Wochen oder Monaten so weit ist, ein regelmäßiges (vielleicht sogar hohes) Einkommen zu erwirtschaften. Meiner Meinung nach sind 3 Jahre eine durchaus realistische Zeitspanne, um als Neustarter in eine stabile Selbständigkeit zu kommen. Das braucht einen ganz schön langen Atem und ich verspreche Dir, ich weiß, wovon ich rede, denn Geduld gehört nicht zu meinen Stärken. ? Auch wenn es natürlich Abkürzungen gibt, aber diese erfordern meist Investitionsbereitschaft.

Und jetzt wirst Du verstehen, warum ich diese beiden Punkte zusammengefasst habe. Denn ich stelle immer wieder fest, dass neue Selbständige Geld zur falschen Zeit oder in falsche Dinge investieren - vorausgesetzt sie investieren überhaupt. Oft wird eine Investition in Wissen und persönliche Weiterentwicklung aus Ausgabe und nicht als Investition gesehen. Wenn ich etwas anschaffe, das mir in Zukunft für mein Business keinen Mehrwert, keine schnellere Entwicklung und damit keinen schnelleren oder höheren Umsatz bringt, dann ist es eine Ausgabe. Im Gegensatz dazu ist Geld, das ich in meine persönliche Entwicklung und mein Wissen, welches mich zu einer besseren Unternehmerin macht, wodurch ich schneller wachse und Einkommen generiere, eine Investition.

Daher spare Dir die Ausgaben in Visitenkarten und in eine tolle Webseite etc. so lange Du selbst noch - bildlich gesprochen - in der Vorschulklasse sitzt!

5. Fazit

Teilzeit-Selbständigkeit wird heute bereits immer häufiger gelebt. Es ist eine schöne Möglichkeit, sich als Unternehmer/in mit Sicherheitsnetz auszuprobieren, ohne wirkliche unternehmerische Risiken eingehen zu müssen. Die „Gefahr“, die ich aus o.g. Gründen sehe, ist, dass kein ernst zu nehmendes Business, sondern ein teures Hobby entsteht, das mit der Bezeichnung „Herzensbusiness“ kaschiert wird. ? Mit Geduld, Lern- sowie Investitionsbereitschaft kann sich allerdings eine wundervolle, erfüllende, zusätzliche Einkommensquelle auftun. ?

Deine Beatrice